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AMZ-Statement zur drohenden Werksschließung von Volkswagen Zwickau

AMZ Sachsen zu möglichen VW-Plänen: „Zwickau darf nicht zum Symbol des industriellen Rückzugs werden“

Medienberichten zufolge steht Volkswagen vor einer weiteren massiven Verschärfung seines Sparkurses. Unter Berufung auf Insider berichtet das Manager Magazin, dass im Volkswagen-Konzern in den kommenden Jahren weltweit bis zu 100.000 Arbeitsplätze wegfallen könnten. Auch Werksschließungen in Deutschland stehen demnach im Raum – darunter der Standort Zwickau. Volkswagen selbst hat die konkreten Pläne bislang nicht bestätigt. Die Verunsicherung in der Region ist dennoch groß.

Für das AMZ – Netzwerk Automobilzulieferer Sachsen wäre eine Schließung des Fahrzeugwerks Zwickau weit mehr als eine unternehmerische Standortentscheidung. Sie wäre ein tiefgreifendes Signal gegen den Produktionsstandort Sachsen – gegen eine Region, die über Jahre als „Drehscheibe der Produktion“, als Vorreiter der Elektromobilität und als leistungsfähiger Teil der deutschen Automobilindustrie positioniert wurde.

„Das Schließen des VW-Werkes in Zwickau wäre nach dem Ende des VW-Standortes in Dresden eine klare Entscheidung von VW gegen den Produktionsstandort Sachsen“, sagt Dirk Vogel, Netzwerkmanager AMZ Sachsen.

Zwickau erfüllt seinen Auftrag. Jetzt braucht es Verlässlichkeit

Nach Einschätzung des AMZ erfüllt das Werk Zwickau die vom Konzern gestellten Anforderungen. Deshalb geht das Netzwerk weiterhin davon aus, dass Volkswagen zu den getroffenen Abstimmungen mit dem Sozialpartner steht. Dazu zählen insbesondere die Einrüstung des Werkes auf künftige Fahrzeuge auf Basis der SSP-Plattform sowie der Ausbau des Standortes zum Recycling-Kompetenzzentrum des Konzerns.

Erst im Januar hatte Volkswagen den Start neuer Geschäftsfelder der Kreislaufwirtschaft in Zwickau kommuniziert. Der Standort soll dabei eine Vorreiterrolle im Konzern übernehmen, unter anderem bei Recycling, Refurbishment, Second-Life-Anwendungen und dem Einsatz von KI in der Standardisierung entsprechender Prozesse.

Für das AMZ stellt sich deshalb die zentrale Frage: Wie glaubwürdig ist industrielle Transformation, wenn strategisch aufgebaute Zukunftsfelder kurz darauf wieder infrage gestellt werden?

20.000 Arbeitsplätze stehen weiterhin auf dem Spiel

Eine tatsächliche Schließung des Werkes hätte unmittelbare Folgen für die Beschäftigten bei Volkswagen und weit darüber hinaus. Besonders betroffen wären direkte Zulieferer, Logistikdienstleister, Sequenzstandorte und zahlreiche Unternehmen entlang der regionalen Wertschöpfungskette.

Das häufig vorgebrachte Argument, Zulieferer könnten im Fall einer Schließung einfach andere VW-Standorte beliefern, greift aus Sicht des AMZ zu kurz. Auch an anderen Standorten bestehen Unterauslastungen und eigene etablierte Sequenzstrukturen. Bereits in den vergangenen Jahren haben sowohl Volkswagen als auch Zulieferer rund um das Werk Zwickau Personal abgebaut.

Die Einschätzung des AMZ aus dem Vorjahr bleibt bestehen: Insgesamt stehen rund 20.000 Arbeitsplätze in der Region auf dem Spiel.

Laut Angaben der Arbeitsagentur wurden im vergangenen Jahr bereits mehr als 8.000 Beschäftigte in der Branche in Westsachsen abgebaut. Viele konnten bislang noch durch offene Stellen in anderen Unternehmen oder durch Rentenabgänge in der Region aufgefangen werden. Das AMZ erwartet jedoch, dass dieser Ausgleich künftig nicht mehr in gleichem Maße möglich sein wird. Die Folge wäre eine steigende Arbeitslosigkeit in der Region.

Es geht um mehr als ein Werk: Es geht um die Zukunft einer Automobilregion

Die größte Gefahr liegt aus Sicht des AMZ nicht allein im Verlust eines großen Arbeitgebers. Es geht um die schrittweise Schwächung einer ganzen Automobilregion.

Wenn attraktive Schlüsselarbeitgeber verschwinden, verliert die Region Anziehungskraft – für Fachkräfte, Auszubildende, junge Familien, Ingenieurinnen und Ingenieure, Start-ups und Investoren. Junge Menschen werden sich stärker in andere Branchen und andere Regionen orientieren. Know-how, das über Jahrzehnte aufgebaut wurde, droht verloren zu gehen.

Die automobile Wertschöpfung in Westsachsen strahlt weit über die Fahrzeugproduktion hinaus: in Maschinenbau, Elektrotechnik, Kunststoffverarbeitung, Software, Automatisierung, Logistik, Engineering und industrielle Dienstleistungen. Die Wirkung einer Werksschließung wäre deshalb deutlich größer als der reine Verlust des Kernarbeitgebers Volkswagen.

Auch im privaten Umfeld vieler Beschäftigter wären die Folgen spürbar. Für viele Familien war der Arbeitsplatz bei Volkswagen oder in der Zulieferindustrie über Jahre eine stabile Grundlage für Lebensplanung, Wohneigentum, Investitionen und Kredite.

Transformation braucht Tempo, aber auch Zeit

Die von AMZ, IHK und IG Metall getragene Initiative Transformation der Automobilregion Südwestsachsen arbeitet bereits seit 2022 an einem Zukunftsplan für die Region. Zukunftsbranchen wurden analysiert, Handlungsfelder definiert und erste Umsetzungsprojekte gestartet.

Im Mittelpunkt stehen unter anderem:

Automatisierung und Digitalisierung der Fertigung, der Einsatz von Künstlicher Intelligenz, neue industrielle Anwendungen der Kreislaufwirtschaft / Circular Economy sowie Zukunftsfelder wie automatisiertes Fahren. Ziel ist es, gemeinsam mit den Unternehmen der Region neue Märkte, neue Kunden und neue Wertschöpfung zu erschließen – als Antwort auf die tiefgreifende Transformation der Automobilindustrie.

Doch diese Transformation braucht Zeit. Neue Geschäftsfelder entstehen nicht über Nacht. Sie brauchen Investitionen, Partner, Pilotprojekte, Qualifizierung, Marktzugang und politische Unterstützung.

Genau hier setzt auch die Arbeit des AMZ Sachsen an: Das Netzwerk stärkt die Wettbewerbsfähigkeit seiner Mitglieder durch Innovationsmanagement, Branchenexpertise, Vernetzung, Internationalisierung und Interessenvertretung. AMZ versteht sich dabei als Stimme der Zulieferer und als Plattform, um Unternehmen mit Partnern, Projekten, Märkten und Zukunftstechnologien zusammenzubringen.

Landesregierung und Wirtschaftsförderung müssen weiter Druck machen

Die sächsische Landesregierung unterstützt die Region bereits durch Gespräche vor Ort, durch direkte Gespräche mit Volkswagen und durch Förderung von Zukunftsprojekten, unter anderem im Bereich Recycling in Zwickau und mit Blick auf die Gläserne Manufaktur in Dresden. Wirtschaftsminister Dirk Panter kündigte an, um jeden Arbeitsplatz in Zwickau kämpfen zu wollen. Zugleich betonte er, dass der Standort Zwickau-Mosel nicht pauschalen Sparmaßnahmen zum Opfer fallen dürfe.

Aus Sicht des AMZ muss parallel dazu die Ansprache alternativer Fahrzeughersteller deutlich verstärkt werden. Ziel darf dabei nicht sein, Volkswagen einfach zu ersetzen. Vielmehr geht es darum, die industrielle Kompetenz in der Automobilregion Westsachsen breiter aufzustellen, ähnlich wie es Sachsen mit dem Mikroelektronik-Cluster Silicon Saxony gelungen ist.

Vorschläge wie ein möglicher Joint-Venture-Partner für eine Produktion in Zwickau werden in der Region teils kritisch gesehen. Dennoch gilt: In einer Situation dieser Tragweite müssen alle tragfähigen Optionen geprüft werden, die Arbeitsplätze sichern, industrielle Wertschöpfung erhalten und neue Perspektiven eröffnen.

AMZ: „Wir sind abgekämpft, genau wie viele unserer Mitglieder“

Dirk Vogel findet im Namen des AMZ deutliche Worte. Viele Forderungen wurden in den vergangenen Jahren immer wieder formuliert: mehr Flexibilität, schnellere Genehmigungen, wettbewerbsfähige Energiekosten, bessere Standortbedingungen, weniger bürokratische Hemmnisse.

„Wir haben keine Forderungen mehr. Wir sind genau wie unsere Mitglieder abgekämpft“, sagt Dirk Vogel. „Die geforderte Flexibilität fehlt. Wochenendarbeit ist in Ungarn und Rumänien möglich, in Deutschland nur über lange Genehmigungswege. Energiekosten werden seit Jahren diskutiert – passiert ist zu wenig. Viele Themen wurden in den letzten Jahren übertrieben, verschleppt oder nicht gelöst. Die Unternehmen reagieren – wie im Fall von VW. Dieser Trend wird anhalten, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern.“

Das AMZ Sachsen sieht darin ein Warnsignal für den gesamten Industriestandort. Die Transformation der Automobilindustrie ist Realität. Aber sie darf nicht bedeuten, dass Wertschöpfung, Beschäftigung und technologische Kompetenz aus Sachsen verschwinden.

Gemeinsam für die Zukunft des Autolands Sachsen

Sachsen ist Autoland – historisch gewachsen, industriell stark und technologisch wandlungsfähig. Doch diese Stärke ist kein Selbstläufer. Sie braucht verlässliche Standortentscheidungen, wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und Unternehmen, die den Wandel gemeinsam gestalten.

Das AMZ Sachsen wird sich weiter für die Automobilzulieferer, Industriepartner und Beschäftigten in der Region einsetzen: als Interessenvertretung, Vernetzungsplattform und Impulsgeber für neue Wertschöpfung. Denn die Zukunft der sächsischen Automobilindustrie entscheidet sich nicht allein in Konzernzentralen, sondern auch daran, ob es gelingt, vorhandene Kompetenzen in neue Märkte, Technologien und Geschäftsmodelle zu überführen.

Unternehmen, die sich in diesen Prozess einbringen, Partner finden oder neue Innovations- und Transformationsprojekte entwickeln möchten, sind eingeladen, Teil des AMZ-Netzwerks zu werden. Gemeinsam sichern wir industrielle Zukunft im Autoland Sachsen.

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Dirk Vogel

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