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  • ITAS Kongress 2023

ITAS-Pressemitteilung: Automobilzulieferer in Südwestsachsen müssen auf die Innovationsspur

Für die Zulieferbetriebe liegen Potentiale insbesondere in Innovationen, neuen Kooperationen und der Mitarbeiterqualifizierung. Das regionale Bündnis ITAS unterstützt sie dabei.

Pressemitteilung ITAS vom 29.01.2024

Automobilzulieferer in Südwestsachsen müssen auf die Innovationsspur – Potentiale im Überblick

  • BMWK fördert Transformationsinitiative für die Automobilregion Südwestsachsen mit 8,2 Mio. €
  • „Initiative Transformation der Automobilregion Südwestsachsen“ (ITAS) hat regionale Zulieferer im Fokus
  • Fünf regionale Akteure: Netzwerk Automobilzulieferer Sachsen (AMZ), Agentur für Arbeit Zwickau, IHK Chemnitz, IG Metall Chemnitz/Zwickau, Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH (CWE)
  • Technologievorsprung in der Produktion, Softwarekompetenz sowie Innovationsprojekte für autonomes Fahren im Fokus
  • Neue Berufsbilder im Bereich Batterieherstellung, Recycling- und Kreislaufwirtschaft entstehen
  • Qualifizierungsquote bei geförderten Maßnahmen noch zu gering – Weiterbildung als Schlüsselthema
  • Qualifizierungsgeld ab 1. April 2024 und vereinfachte Förder-Prozesse
  • Dialogformate mit der Kommunal- und Landespolitik

 

Als Wiege des Automobilbaus ist die Region Südwestsachsen stark von der Branche geprägt. Umso deutlicher wird sich hier die Transformation der Mobilität auswirken. Für die Zulieferbetriebe liegen Potentiale insbesondere in Innovationen, neuen Kooperationen und der Mitarbeiterqualifizierung. Das regionale Bündnis ITAS unterstützt sie dabei.

Chemnitz, 29.01.2024: Über 800 Unternehmen arbeiten in Südwestsachsen entlang der automobilen Wertschöpfungskette und beschäftigen mehr als 50.000 Menschen. Bei den rund 130 Automotive-Zulieferern arbeiten über 28.300 Mitarbeiter. Entsprechend massiv ist die Region von der Transformation des Mobilitätssektors betroffen.

Eine Studie[1] des Berliner IMU-Instituts verdeutlichte bereits 2020 die Risiken des Strukturwandels für die hiesigen Zulieferer: Sollten die Unternehmen nicht zügig handeln und die Transformation als Chance nutzen, könnten sie den Anforderungen der nachhaltigen Wirtschaft nicht gerecht werden und zusehends aus dem Markt gedrängt werden. Südwestsachsen würde erheblich an Wertschöpfung verlieren. Auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat den hohen Entwicklungsdruck in der Region erkannt und stellte 8,2 Millionen Euro für Transformationsvorhaben zur Verfügung.

Regionale Akteure mit fachlichem Knowhow gründen Initiative

Fünf regionale Akteure nutzten diese Gelegenheit und schlossen sich zur „Initiative Transformation der Automobilregion Südwestsachsen“ (ITAS) zusammen, um mit gemeinsamer Kraft den Wandel der Zulieferbranche aktiv zu gestalten.

„Für ITAS haben sich fünf Partner zusammengefunden, die in Bezug auf die Transformation eine große regionale Reichweite und hohe Fundierung bei den Themen der Zulieferer haben. Dazu zählen das Netzwerk der Automobilzulieferer Sachsen (AMZ), die Agentur für Arbeit Zwickau, die IHK Chemnitz, die IG Metall Chemnitz/Zwickau sowie die Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH (CWE) als Konsortialführerin“, sagt Projektleiter Boris Kaiser von der CWE. Träger der Initiative ist der VDI/VDE IT, der sämtliche staatlich geförderten Transformationsprojekte unter seinem Dach hat.

Wandel geht nur gemeinsam

„Die letzte in der Größenordnung vergleichbare Transformation in der Region war die Nachwendezeit. Sie hat Spuren hinterlassen, Veränderungen dieser Dimension werden mitunter skeptisch gesehen“, sagt Alrun Fischer, betriebliche Beraterin beim Konsortialpartner IG Metall. „Deshalb ist es uns wichtig, unbedingt die Folgen für die Beschäftigten sowie die Arbeits- und Lebensbedingungen in den Blick zu nehmen! Wir halten es für wichtig, dass dazu in den Betrieben miteinander gesprochen wird und die Region zusammenarbeitet“, so Fischer weiter. Boris Kaiser ergänzt: „Da sich die momentanen Veränderungen auf unterschiedliche Ebenen auswirken, sind bei ITAS verschiedene Expertisen gebündelt. Wir wollen die Belegschaft mitnehmen und gesellschaftliche Akzeptanz für die Transformation schaffen, den technologischen Wandel der Zulieferer vorantreiben, Innovationskraft aufbauen, Fachkräfte weiterbilden, Geschäftsmodelle zukunftsfähig machen und Betriebe für neue Sparten und Produkte sensibilisieren.“

Technologieführerschaft als Wettbewerbsvorteil

Die Zulieferer sollten differenzierte Antworten auf die Fragen des Wandels finden. Andreas Wächtler vom ITAS-Partner AMZ nennt erste praktische Schritte: „Damit Südwestsachsens Zulieferer langfristig attraktive Fertigungspartner bleiben, ist unter anderem ein Innovationsvorsprung bei den Produktionsprozessen nötig. Hier geht es vor allem um die Integration von automatisierten Fertigungssystemen, Robotik und IoT-Lösungen.“

Auch die Softwarekompetenz spielt laut Wächtler in Zukunft eine große Rolle. „Zulieferer könnten sich auf die interne Entwicklung von Softwarelösungen konzentrieren, die speziell auf die Anforderungen der Automobilbranche zugeschnitten sind. Um die notwendigen Kompetenzen zügig aufzubauen und mit dem globalen Wettbewerb Schritt zu halten, bieten sich natürlich Partnerschaften beispielsweise mit Technologieunternehmen oder Start-ups an“, weiß Wächtler. Hier sieht das AMZ seine zentrale Rolle innerhalb der Initiative: „Wir können durch unser umfassendes Netzwerk bei der Anbahnung neuer Kooperationen und der Umsetzung von Innovations- und Pilotprojekten unterstützen,“ so Wächtler.

Ein zukunftsrelevantes Alleinstellungsmerkmal kann Südwestsachsen auch durch den Aufbau von Kompetenzen im automatisierten Fahren entwickeln. Hier arbeite man bereits an einem Mobilitätskonzept für die Region Zwickau und Chemnitz, um das automatisierte Fahren auf der Straße besser erproben zu können. Ein weiterer Lösungsansatz ist etwa der Ausbau der Forschung und Entwicklung im Bereich der Batterietechnologie. Sogar der Bereich Schiene bietet Zulieferern neue Möglichkeiten. Dazu hat ITAS erste Verbindungen zum Smart Rail Connectivity Campus der TU Chemnitz geknüpft, der an neuen Technologien für diesen Bereich arbeitet.

Ebenfalls diskutiert wird das Thema Wasserstoffantrieb. Potentiale sieht Andreas Wächtler hier aktuell vor allem im Bereich Schwerlasttransport und Logistik; nicht primär im PKW-Bereich.

Nachholbedarf bei Qualifizierungsmaßnahmen

Technologische Innovationen sind zentral für die Zukunft der Zulieferer in Südwestsachsen. Die Basis dafür seien allerdings qualifizierte Fachkräfte, erklärt Jörg Fischer, operativer Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Zwickau. „Weiterbildung und Qualifizierung sind im aktuellen Strukturwandel Schlüsselthemen, doch in diese Thematik wurde von Unternehmen aus unserer Sicht zu wenig investiert. Im Jahr 2023 wurden in Südwestsachsen 1.005 Beschäftigungsqualifizierungen im Rahmen des Qualifizierungs-Chancengesetzes umgesetzt. Rechnet man dies um, sind das nur circa 0,2 Prozent der knapp 545.000 Beschäftigten in der Region“, so Fischer weiter.

Zudem seien zwar Berufsbilder wie etwa der Fahrzeuginterieur-Mechaniker, der Kunststoff- und Kautschuktechnologe oder der Elektroniker für Maschinen und Antriebstechnik modernisiert worden – etwa hinsichtlich E-Antrieb, Kreislaufwirtschaft oder der Digitalisierung der Fahrzeuge und der Fahrzeugproduktion. „Gänzlich neue Berufsbilder sind in der dualen Ausbildung bisher aber nicht in der Automobilwirtschaft entstanden. Ich persönlich sehe hier allerdings gerade bei der Batterieherstellung sowie im Bereich Recycling- und Kreislaufwirtschaft hohen Bedarf“, ergänzt Fischer.

Strukturwandel bringt neue Berufsbilder

Seiner Ansicht nach werden Berufsprofile mit hoher Routine auf Dauer deutlich weniger oder gänzlich verschwinden. Hier gelte es, mit individueller Weiterbildung der Arbeitnehmer gegenzusteuern. Die Arbeitsagentur unterstütze dabei in Form permanenter Beratung durch eigene Spezialisten sowie durch Förderung. Auch vom Gesetzgeber gibt es dabei Rückendeckung: Seit 2019 gilt ein Gesetz, das die Qualifizierung für vom Strukturwandel betroffene Berufe erleichtert. Seit 2021 wird zudem die Berufsberatung im Erwerbsleben (BBiE) angeboten. Hier werden Beschäftigte mit dem Ziel beraten, dauerhaft im Unternehmen zu bleiben und sich weiterzuentwickeln. Hinzu kommen künftig eine Vereinfachung der Förder-Prozesse und ein gesetzlich eingeführtes Qualifizierungsgeld ab 1. April 2024.

„Die Qualifizierungsmöglichkeiten für den Wandel sind da, eine wichtige Aufgabe im Rahmen von ITAS wird es nun sein, zu den Geschäftsführungen aufzuschließen und sie von deren Bedeutung zu überzeugen“, sagt der operative Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Zwickau. Dazu ergänzt Alrun Fischer vom Konsortialpartner IG Metall: „Unternehmen verfügen durch ihre Mitarbeiter über einen wertvollen und in Veränderungsprozessen oft noch wenig genutzten Erfahrungsschatz: Die Kolleginnen und Kollegen sind mit dem Betrieb meist bestens vertraut und können ihre Ideen und Ansichten einbringen. Wir wollen dabei helfen, dass Betriebsräte und Belegschaften den Wandel als relevante Akteure gestalten und auf diesem Wege zu attraktiven Arbeitsbedingungen beitragen.“

ITAS-Charta als Leitbild für Transformationsvorhaben

Entsprechend der transformatorischen Aufgaben plant ITAS die nächsten Schritte. „Wir sind gerade dabei, unsere auf dem ersten ITAS-Kongress im letzten Sommer vorgestellte Charta weiter zu konkretisieren. Sie ist gewissermaßen ein Handlungsleitfaden für den hiesigen Wandel. Konkretisierung heißt: Noch mehr regionale Partner, beispielsweise aus der Forschung, mit an Bord zu holen und vor allem die Unternehmen noch mehr einzubeziehen“, sagt Projektleiter Boris Kaiser und fügt hinzu: „Ein wichtiger Meilenstein wird unser nächstes Zukunftsforum sein. Hier werden wir in fünf Stationen die Landkreise in Südwestsachsen anlaufen. Auf den Veranstaltungen informieren wir über Entwicklungsmöglichkeiten und fangen vor allem auch die Stimmungen und Bedarfe innerhalb der Zulieferunternehmen ein.“

Marktanpassung durch neue Geschäftsfelder

Die erfolgreiche Transformation in Südwestsachsen erfordert auch die Kooperation der Unternehmen untereinander. „Es bedarf dynamischer Gewerbegebiete, in denen die Standortpotenziale klar sind und große Aufträge unter den einzelnen Betrieben verteilt werden können. Dazu müssen alle Willens sein, miteinander zu reden und sich zu vertrauen“, so Patrick Korn, Projektleiter der IHK Chemnitz. Im Rahmen von ITAS unterstützt die IHK klein- und mittelständische Zulieferer durch Angebote wie Strategie-, Qualifizierungs- und Personal-Coachings und berät hinsichtlich neuer Wertschöpfungsfelder und Geschäftsmodelle.

Die Politik mit an Bord holen

Für nachhaltige Veränderungen müssen sich nach Ansicht Korns zudem die politischen Rahmenbedingungen verbessern, insbesondere im Hinblick auf Finanzmittel, Bürokratie und den Zugang zu Energie. „Wir planen die Einrichtung von sechs Policy Labs. Diese sollen als Plattform dienen, auf der sich Unternehmen und politische Vertreter zu Themen wie Zukunftschancen, optimale Rahmenbedingungen und Fördermöglichkeiten direkt austauschen können – auch die Stimmungsbilder aus den ITAS-Zukunftsforen sollen hier einfließen,“ sagt Patrik Korn.

„Letztendlich stehen wir im globalen Wettbewerb. China entwickelt den Verbrenner durch emissionsarme alternative Kraftstoffe wie Wasserstoff, Biokraftstoffe, E-Fuels oder Ammoniak weiter – parallel zur E-Mobilität. Vielleicht rückt dieser Ansatz auch hierzulande wieder mehr in den Fokus“, sagt Korn. BMW bekenne sich beispielsweise zu allen Antriebsformen und setze nicht alles auf eine Karte.

Die neue Version der ITAS-Charta mit konkreten Handlungsempfehlungen wird auf dem nächsten ITAS-Kongress Anfang Juni 2024 vorgestellt. Kurz vor den Kommunal-, Landtags- und Europawahlen in Sachsen erhofft sich die Initiative dabei auch wichtige Impulse in Richtung Politik. Unternehmen mit Unterstützungsbedarf können sich unabhängig davon jederzeit an die Initiative und ihre jeweiligen Ansprechpartner wenden.

Weitere Informationen:

https://itas-projekt.de/

AMZ-Website zum Projekt ITAS

 

 ITAS-Pressekontakt

(c/o ABG Marketing GmbH)
Ina Jahn | Telefon: +49 351 43 775 35 | E-Mail: jahn@abg-partner.de

 

Über ITAS:

„ITAS“ steht für „Initiative Transformation Automobilregion Südwestsachsen“. Zu dem Zusammenschluss regionaler Akteure gehören: die Projektgesellschaft CWE als Konsortialführerin, die Industrie- und Handelskammer Chemnitz (IHK), das Netzwerk der Automobilzulieferer Sachsen (AMZ), die IG Metall sowie die Bundesagentur für Arbeit. ITAS möchte den Wandel der Mobilität in der Automobilregion Südwestsachsen mitgestalten und gezielt voranbringen. Die heimische Automobil-Zulieferindustrie soll dazu mit Lehrangeboten, Vernetzung und Beratung bei der Weiterentwicklung ihrer Geschäftsmodelle, Technologien und Fachkräftequalifizierung unterstützt werden. Die Initiative wird Akteure vernetzen und gemeinsam mit ihnen ein Leitbild und eine regionale Transformationsstrategie entwickeln. Zudem werden die industriepolitischen Interessen der Branche im Dialog mit der Politik vertreten. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz.

[1] https://www.imu-berlin.de/wp-content/uploads/2021/04/Studie_Transformation_Suedwestsachsen_final.pdf

 

Presseartikel:

Sächsische.de – Wie die Autozulieferer in Sachsen auf die Innovationsspur kommen sollen


Ihr Kontakt

Andreas Wächtler

Andreas Wächtler

Netzwerkmanager

Telefon: +49 172 8380067
E-Mail: waechtler@amz-sachsen.de