DDR-Rennwagen kommt ins Verkehrsmuseum Dresden
Das Verkehrsmuseum Dresden erweitert seine Sammlung um ein seltenes Stück ostdeutscher Automobilgeschichte: einen nahezu im Originalzustand erhaltenen Melkus RS 1000.
Der auf dem Wartburg 353 basierende Rennsportwagen, von dem insgesamt nur 101 Exemplare gefertigt wurden, war der einzige für die Straße zugelassene Sportwagen der DDR. Die Kulturstiftung der Länder fördert den Ankauf mit 36.666,67 Euro.
Dazu Dr. Christine Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder:
„Wir freuen uns sehr, dass wir das Verkehrsmuseum Dresden bei diesem seit Langem angestrebten Ankauf unterstützen konnten. Der Melkus RS 1000 steht für den Erfindungsreichtum und die Kreativität, mit denen in der DDR auf schwierige wirtschaftliche Bedingungen reagiert wurde. Als Ikone der DDR-Mobilitäts- und Alltagskultur erzählt er von den Hoffnungen, Sehnsüchten und technischen Ambitionen seiner Zeit. Mit dieser Erwerbung wird ein wichtiges und seltenes Zeugnis der ostdeutschen Zeitgeschichte auch für künftige Generationen im Museum erfahrbar gemacht.“
Der Melkus RS 1000
wurde von 1969 bis 1979 in Dresden von der Melkus KG unter Leitung von Heinz Melkus (1928-2005), einem der bekanntesten und erfolgreichsten Rennwagenfahrer der
DDR, entwickelt und gebaut. Sein Ziel war ein Sportwagen, der sowohl für den Straßenverkehr als auch für den Rennsport geeignet war.
Das Design griff die Formensprache amerikanischer und westeuropäischer Marken jener Zeit auf. In der DDR sahen die Entscheidungsträger zunächst keinen Bedarf für einen solchen „kapitalistischen“ Sportwagen. Eine staatliche Zustimmung war aber zwingend erforderlich, um an Material zu gelangen. Schließlich gelang es Heinz Melkus, durch Verweis auf die Förderung des Rennsports und geschickte Argumentation im Sinne der DDR-Politik eine Genehmigung zu erhalten.
Der 20. Jahrestag der DDR-Gründung bot dabei einen passenden Anlass, das Projekt im Rahmen einer „sozialistischen Entwicklungsgemeinschaft GT-Sportwagen“ als Beitrag zur Republik darzustellen.
Da in der DDR nur begrenzte Mittel zur Verfügung standen,
basierte der RS 1000 auf dem 1966 eingeführten Wartburg 353. Motor, Getriebe und Rahmen wurden übernommen und für den Sportwagen angepasst. Die Karosserie entstand in Zusammenarbeit mit dem VEB Robur-Werke in Zittau. Auffällig ist das extrem flache, aerodynamische Design von nur gut einem Meter Höhe, wie auch die beiden Flügeltüren nach dem Vorbild des Mercedes-Benz 300 SL.
Viele Details des Melkus RS 1000 entstanden durch Improvisation, beispielsweise wurden bei den ersten Fahrzeugen Fahrradlampen für die Außenspiegel benutzt. Da die Wagen größtenteils in Handarbeit gefertigt wurden, unterscheiden sich die einzelnen Exemplare bis heute in vielen Details.
Der vom Museum erworbene Wagen trägt die Seriennummer 31
und wurde im ersten Quartal 1972 fertiggestellt. Erster Besitzer war ein Ingenieur aus Wittenberg. Das Exemplar stammt aus dem Besitz des Enkels des Firmengründers, Sepp Melkus, und wurde im Jahr 2022 angekauft. Zuvor befand er sich über 30 Jahre lang in einem privaten Museum in Belgien.
Das Fahrzeug ist nahezu im Originalzustand erhalten und besitzt den weitgehend originalen 3-Zylinder-Wartburg-Motor mit 992 cm? Hubraum sowie das von der Dresdner Firma König für Melkus überarbeitete 5-Gang-Getriebe.
Weitere Förderer:
Sächsische Landesstelle für Museumswesen, Volker-Homann-Stiftung, Förderverein des Verkehrsmuseums, Ostsächsische Sparkasse, Private Spender.
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Quelle Text: Kulturstiftung der Länder
Quelle Bild: Verkehrsmuseum Dresden
