Wie sicher ist das Zwickauer VW-Werk? Netzwerkmanager Dirk Vogel im Interview mit der Sächsischen Zeitung
Autobauer verschiebt Integration in Volkswagen-AG
Dirk Vogel warnt, dass für das VW-Werk Zwickau bisher keine Ausschreibungen zur neuen SSP-Plattform mit Montageort Zwickau bei AMZ-Mitgliedsunternehmen angekommen sind. Damit sei ein nahtloser Übergang auf Zukunftsmodelle derzeit nicht erkennbar. Das AMZ appelliert deshalb an Geschäftsführung, Betriebsrat und Gewerkschaft, sich klar für die Umrüstung auf SSP einzusetzen – als Voraussetzung für neue Modelle und eine langfristige Perspektive des Standorts.
Lesen Sie hier den Artikel der Sächsischen Zeitung von Andreas Dunte und Nora Miethke vom
Quelle: Sächsische.de | Wie sicher ist das Zwickauer VW-Werk? Autobauer verschiebt Integration in Volkswagen-AG
Bei Volkswagen in Zwickau läuft es eigentlich gerade gut. Die Produktion zog im sächsischen VW-Werk im ersten Quartal deutlich an. Dennoch wächst unter Beschäftigten und den Zulieferern die Sorge, nach dem die endgültige Überführung in die VW-AG verschoben wird. Warum das so ist.
Ein Sprecher erklärte, dass dies für die rund 10.000 Beschäftigten „keine materiellen Auswirkungen“ hätte. Denn die Übernahme der tarifvertraglichen Regelungen sei schon seit Januar dieses Jahres vollzogen. Das bedeutet, für sie gilt schon die 35-Stunden-Woche und das gleiche Entlohnungssystem wie für die Kollegen an den West-Standorten. Doch auf einen neuen Arbeitsvertrag mit der Volkswagen AG müssen sie nun länger als geplant warten.
Die IG Metall wirft VW einen Bruch des Tarifvertrags vor. Das sei ein „schwerwiegender Vertrauensbruch, mit dem der Volkswagenkonzern auf Konfrontationskurs mit allen VW-Beschäftigten in Sachsen geht“, kritisiert IG-Metall-Bezirksleiter Jan Otto.
Neue Sparprogramme verstärken Unsicherheit
Mehr Unruhe dürften jedoch eher die Nachrichten über neue Sparprogramme stiften. Erste Eckpunkte sind jetzt in einem internen Papier des Wolfsburger Konzerns benannt worden. Erarbeitet hat das Papier der Vorstand, unterstützt von Beratern der Boston Consulting Group (BCG). Als besonders kostenintensiv werden unter anderem die beiden VW-Werke in Emden und Zwickau genannt.
Laut Handelsblatt hätten sie die internen Vorgaben für ihre Kostenziele verfehlt. Für die nächste Planungsrunde im Herbst dürfte genau das entscheidend werden, so die Zeitung weiter. „Diskutiert werden Verlagerungen ins europäische Ausland, Kooperationen mit Partnern oder alternative Nutzungen von Werken. Auch neue Industrien spielen eine Rolle: So wird intern etwa geprüft, ob Standorte für die Rüstungsindustrie genutzt werden können“, heißt es im Handelsblatt.
Die Werksleitung in Zwickau stellt klar, dass die Fabrikkostenziele 2025 erreicht wurden. Für dieses Jahr sei man auf einem guten Weg, so ein Sprecher von VW Sachsen.
„Das Werk in Zwickau hat die Kostenziele 2025 erreicht. Gegenteilige Äußerungen sorgen für große Verunsicherungen in der Belegschaft.“ Thomas Knabel, IG Metall
Bei der IG Metall in Zwickau ist man über die erneute Spardiskussion verärgert. Berichte, wonach das sächsische Fahrzeugwerk hinter den vereinbarten Kostenzielen bleibe, habe es schon einige gegeben, so IG Metall Chef Thomas Knabel. „Sie sind aber falsch. Das Werk in Zwickau hat die Kostenziele 2025 erreicht. Gegenteilige Äußerungen sorgen für große Verunsicherungen in der Belegschaft.“
Zulieferer sorgen sich um Werksauslastung
Auch bei den Zulieferern rund um das Werk ist man besorgt, dass in dem Papier explizit Zwickau genannt wird. Die sächsische Fabrik zähle zu den modernsten im Konzern. Ginge es um die Produktionskosten, müsste sich Zwickau keine Sorgen machen, meint Dirk Vogel, Geschäftsführer des Netzwerks der Automobilzulieferer Sachsen (AMZ). Anders sieht es aus, was die künftige Auslastung angeht.
So fragt man sich bei den Zulieferern in Sachsen, wann volumenstarke Modelle auf der angekündigten einheitlichen Elektroplattform SSP (Scalable Systems Platform) nach Zwickau kommen. Die aktuelle Plattform, auf der im Werk die Modelle von Audi, VW und Seat/Cupra vom Band laufen, ist der Modulare Elektrobaukasten (MEB). Der Konzern ist dabei, diese Plattform durch den Nachfolger SSP zu ersetzen.
Das Problem ist, so AMZ-Geschäftsführer Vogel, „dass für die angekündigte SSP-Plattform jetzt die Ausschreibungen für Lieferanten mit Lieferort VW-Werk Zwickau starten müssten. Unsere Mitgliedsunternehmen haben bisher aber noch keine Ausschreibungen mit Montageort Zwickau erhalten.“ Damit sei ein nahtloser Übergang nicht absehbar.
Wo bleiben die Zukunftsmodelle?
Dirk Vogel weiter: „Für das AMZ stellt sich aktuell die Frage, ob tatsächlich mit dem Standort geplant wird? Sollte es kein Zukunftsmodell geben, ist das Ende des Werkes spätestens zum Auslaufen der Beschäftigungssicherung 2030 in Sicht.“
Um aktuell eine Mindestauslastung am Standort Zwickau zu gewährleisten, wurde entschieden, den Cupra weiter in Sachsen zu fertigen. Die in die Jahre gekommenen Audi-Modelle reichen allein nicht aus, um in Zwickau die Bänder wirtschaftlich laufen zu lassen.
Kreislaufwirtschaft sorgt noch für zu wenige Jobs
Vereinbart war auch, dass die ID-Modelle der Marke VW nach Emden und Wolfsburg gehen. Die Fertigung in der Gläsernen Manufaktur Dresden ist schon ausgelaufen. Ferner sollen am Standort Zwickau weiter Luxuskarossen von Bentley und Lamborghini gebaut und zukünftig Altautos recycelt werden. Das neue Geschäftsfeld Kreislaufwirtschaft liegt allerdings noch weit hinter den angedachten Beschäftigungszahlen zurück.
„Wir appellieren an Geschäftsführung, Betriebsrat und Gewerkschaft, dass sie sich für eine Umrüstung auf die neue SSP-Plattform einsetzen, denn das ist die Voraussetzung, bei künftigen Planungsrunden für neue Modelle überhaupt mitspielen zu können“, so Dirk Vogel.
Investitionen sind an Kostenziele gekoppelt
„Die Investitionen am Standort sind daran geknüpft, dass das Fahrzeugwerk Zwickau seine Fabrikkostenziele erreicht“, erläutert der VW Sachsen-Sprecher. Deshalb sei es wichtig, dies bei aller Unsicherheit in der Branche nicht aus den Augen zu verlieren. „Erreichen wir die Ziele, folgen Investitionen in neue Fahrzeugprojekte.“
Bei dem Ende 2024 eingeleiteten Sparkurs war der Abbau von bundesweit 35.000 Jobs vereinbart worden. Das Werk in Zwickau hat noch rund 8000 Beschäftigte, fast 12.000 waren es einmal. 3000 befristet eingestellte Mitarbeiter mussten gehen. Der restliche Stellenabbau erfolgte über Altersteilzeit.
Die Anspannung in der Belegschaft ist groß, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sei. Dabei war das Werk als erstes reines Elektrowerk im Konzern pro Jahr gefeiert worden. Eine auskömmliche Auslastung des Werkes liegt bei etwa 240.000 Fahrzeugen pro Jahr.
